Ereignisse im Herbst 2

Sonntag, 21.11.2010

Fortsetzung:

Am Wochenende darauf hat sich der "Pedda" aus Australien spontan einen Flug nach Stockholm gebucht. Ich kannte ihn vorher gar nicht. Meine Nummer hatte er von einer Freundin aus Bonn. Da haben Björn und ich direkt mal zu einem außerordentlichen Flunkiballabend mitgenommen bei dem er uns würdig ergänzt hat. Auf dem Rückweg haben Björn und ich uns ein bisschen verlaufen und mussten über einen Zaun klettern. Dabei ist mir die Hose gerissen. So kam dann schließlich doch noch mein kleines Nähset zum Einsatz welches ich vor Abflug noch als überflüssig belächelt hatte. Jetzt hab ich eine ultra moderne Jeans mit ner hippen schwarz roten Naht die auch tatsächlich noch hält. Andre Leute hätten für sowas viel Geld bezahlt.

Fesche Hose mit Naht!

Samstags drauf war Alla Helgons dag (Allerheiligen) bei dem sich circa ganz Stockholm auf dem Skogskyrkogården (Waldfriedhof) zusammengefunden hat um seiner Toten zu gedenken. Ein ziemlich imposantes aber auch unheimliches Ereignis weil die Wege und Gräber des gut 100 Hektar großen und ca 400000 Gräber umfassenden Geländes (darunter auch Greta Garbo) mit tausenden von Lichtern bestückt waren.

Friedhof 1Friedhof 2

Letzte Woche haben wir uns dann zum ersten mal auch aus Stockholm rausbewegt. Nachdem wir uns am All you can eat-Pizza Hut Buffet gestärkt haben sind wir mit dem Zug nach winterlich verschneite Uppsala gefahren. Mit ca 130000 Einwohnern ist Uppsala die viert größte Stadt Schwedens und kann mit einem pompösen Dom aufwarten in dem ich natürlich die obligatorische Kerze angezündet habe. Außerdem steht hier die älteste Universität Schwedens. Ein prunkvolles Bauwerk mit Statuen und großen Wandgemälden. Sicherlich ein tolles Gefühl darin zu lernen. Nachdem wir noch dem dortigen Schloss einen Besuch abgestattet hatten wollten wir gerne das ein oder andre Bier in einem der Studentenpubs dort zu trinken. Ein Unterfangen was sich als ganz und gar unmöglich heraus stellte denn dafür hätten wir uns vorher einen Gästepass besorgen müssen. Ein unmöglich unflexibler Zustand der uns dann in eine Sportsbar getrieben hat die wenigstens extra für uns die deutsche Bundesliga angemacht hat. Trotz des kleinen Rückschlags den uns die Uppsaler Studenten verpasst haben war es insgesamt ein sehr lustiger Trip den wir auf jeden Fall nochmal wiederholen werden: Und dann auch mit Gästepass.

Björn voller Vorfreude vorm Pizza HutUppsala BahnhofDie Uni in Uppsala. Echt nett!Die Uni von innen.Christian und Pejman zünden Kerzen in der Kirche an.Das Schloss. Erst dachten wir es wird gesprengt in 1.32min aber dann kam doch nur eine Animationsshow.

"Zwei Herzen schlagen ach in meiner Brust" hieß es dann am Mittwoch als Schweden und Deutschland im Fußball aufeinander trafen. Die Gelegenheit, dieses Spektakel mit den Schweden zusammen zu erleben, wollten wir uns natürlich nicht nehmen lassen. Die Deutschen Fans, die zahlreich in der "Strand"-Kneipe im Stockholmer Süden vertreten waren, erwiesen jedoch trotz des äußerst schlechten Spiels, als fußballpatriotischer und emotioneller als die Schweden. Doch das 0:0 Unentschieden war wenigstens für meine persönlichen Emotionalität ein diplomatisches Ergebnis.

Letzten Donnerstag gab es eine Party hier in unserem Wohnheim. Mein Nachbar Henry hat mich direkt mal dazu eingeladen und eingebunden. Zusammen mit unserem anderen Nachbar Kimmo haben wir nämlich eine formvollendete Backstreet Boys (Larger than life) Performance aufs Parkett gelegt. Selbstverständlich als Bodyguards verkleidet. Leider war es eine "What happens at the party, stays at the party"-Party weswegen ich keine Beweise habe aber so lustig wie es sich anhörte war es tatsächlich. Als Fazit meiner ersten Party nur unter Schweden lässt sich sagen: Es ist exzessiv, es ist lustig aber es ist ... naja ... anders. Daneben haben sich meine Schwedisch Kenntnisse auch als party-tauglich erwiesen. Toller Abend.

In den nächsten Tagen steht jetzt erstmal die Uni im Vordergrund. Anfang Dezember sind schließlich die ersten Prüfungen veranschlagt.
Dennoch werd ich es mir nicht nehmen lassen zwischen den Lernetappen schon mal die ersten Weihnachtsmittbringsel zu kaufen. Schließlich habe ich ja jetzt die Flüge gebucht.

Das nächste Mal werde ich euch von unserer kleinen Lucia-Weihnachtsfeier hier auf dem Flur berichten und von Björns hoffentlich grandiosem Badminthon-Tunier Sieg.

Alles Gute aus der Ferne!

Ereignisse im Herbst 1

Sonntag, 21.11.2010

Nun, so schnell der Schnee gekommen ist, so schnell haben ihn die lauen Temperaturen schon wieder geschmolzen und die Straßen und Gehwege in rutschige Matschfelder verwandelt. Eine eher unschöner Effekt der weißen Pracht. Aber langsam sinken die Temperaturen unter den Gefrierpunkt. Ein eisiger Ostwind bringt schon die nächsten Schneestürme mit sich. Die Sonne verlässt uns jetzt bereits um 16:00 Uhr. Ein Wetter bei dem ich natürlich lieber drinnen sitze, wahlweise heißen Kakao, Tee oder Kaffee trinke und mich dabei erinnere, dass ich auch mal wieder meinen Blog pflegen könnte den ich ja jetzt schon so lange Zeit vernachlässigt habe. Entschuldigung dafür. Die Zwischenzeit war aber alles andere als ereignislos:

Den ersten Schnee in Stockholm wollten sich unsere Bonner Kommolitoninnen Anna und Isa, die jetzt grade mit Erasmus in Växjö hier in Schweden sind, nicht entgehen lassen und haben mich spontan am Wochenende besucht. Bei Tee und Bullar und später bei einem Bier haben wir erste Erfahrungen ausgetauscht, die sich doch sehr zu ähneln scheinen.
Samstags waren dann meine fremdenführerischen Fähigkeiten bei einem sechsstündigen Shoppingmarathon gefragt bei dem die Mädchen natürlich nach dem ersten Paar Schuhe noch lange nicht zufrieden waren. Aufreibend. Aber zwischendurch haben wir uns mit einem ca 8€ teuerem Stück Kuchen (!!!) belohnt. Die erfolgreiche Shoppingtour musste natürlich am Abend im "Marie Laveau", einem Szenenachtclub, gebührend gefeiert werden. Wirklich nettes (und teures) Wochenende.

Mittwochs darauf kam mich dann erfreulicher Weise die Julia besuchen mit der ich natürlich das gesamte Touristen Paket durchgezogen habe.So kam sie in den Genuß einer privaten Stadtführung bei der sich Stockholm wettertechnisch wirklich von seiner besten Seite gezeigt hat (Fotoimpressionen gab es ja hier schon). Vor allem das "Königliche Dramatische Theater" (Dramaten) im gleißendem Sonnenlicht ist immer wieder eine beeindruckende Kulisse vor dem Östermalmer Hafen und der Häuserfront am Strandvägen.
Ein paar Stockholmer Highlights habe ich mir natürlich extra für ihren Besuch aufgehoben. So waren für uns beide das älteste Freizeitmuseum der Welt "Skansen" eine neue Erfahrung. Der Gründer Artur Hazelius hat nämlich Ende des 19Jh angefangen Häuser aus ganz Schweden original nach Stockholm zuverfrachten, so dass man als Besucher Eindrücke aus allen Regionen Schwedens dieser Zeit bekommt. Dazwischen konnte man die ganze Palette skandinavischer Tiere in Gehegen bewundern. Der Elch war allerdings etwas müde und hat nur auf dem Boden gelegen. Lustiger waren da die Bären (Bär heißt auf schwedisch übrigens "Björn") die wenigstens in ihrem Gehege herumgetollt sind. Außerdem konnte man in Skansen alte schwedische Handwerkskunst live bewundern. Wir kamen zu dem Schluss, dass die Backstube hervorragende Arbeit abliefert, die Glasmanufaktur jedoch nur hässliche Sachen zustande bringt.
Zu einer richtigen Touristen Tour in Stockholm gehört natürlich auch ein Besuch im Vasamuseum. Jenem Gebäude welches das besterhaltenste Schiff des 17Jh,die Wasa, beherbergt. Sehr sehr eindrucksvoll. Ich hoffe die Bilder später können das wenigstens ein bisschen wiedergeben.
Ebenfalls neu für mich und wirklich schön anzusehen war das königliche Schloss auf Drottningsholm. Leider waren wir zu spät um es uns von innen anzuschauen. Deswegen haben sind wir in der Zeit nur im Schlossgarten spazieren gegangen. Auf einer Wiese habe ich kläglich versucht einen Schwarm Vögel wegzuscheuchen. Das will ich euch nicht vorenthalten:

Skansen EingangHinterm EingangSkansen 1Skansen 2Skansen 3Skansen 4: Mit Blick über ÖstermalmEin süßer BärDer Elch der langweilig aufm Boden liegtDas alte Handwerkerviertel in SkansenBlick auf Djurgarden von Skansen ausSchloss Drottningholm 1Nochmal das Schloss mit dem See davor bei schönem LichtDas Schloss von der anderen Seite mit GartenDrottningholmer Schloss mit StatueNochmal das Schloss ganz hinten aus dem Park heraus. Echt schön da mit den weißen Skulpturen

Weiter im nächsten Beitrag oben:

+++Eilmeldung+++

Freitag, 22.10.2010

SCHNEE!

Der Winter hat tatsächlich schon jetzt sein weißes Kleid über Stockholm ausgebreitet und uns ca 5cm Neuschnee beschert. Ich bin gespannt was noch auf uns zukommt demnächst.

Heftigt!

Grade aus dem Fenster aufgenommen.Nochmal aus meinem Fenster

KÄMPA, DIF! KÄMPA!

Donnerstag, 21.10.2010

Die Winterjacke ist augepackt. Die Temperaturen schon im Minusbereich. Die ersten Schneeregenschauer  - Und das ist erst der Anfang glaubt man den polnischen Wetterforschern die bereits den kältesten skandinavischen Winter seit 1000 Jahren angekündigt haben. Abwarten und einen warmen Tee trinken!

Nacka ist ein kleiner Industrievorort von Stockholm, in dem sich unter anderm die erste Fernsehsendeanlage Schwedens, eine Fabrik, die mit ihrem gezwirbelten Schornstein an Willi Wonkas Schokoladenfabrik erinnerte, und ein ganz netter kleiner Yachthafen befinden. Einen Mittwochnachmittag haben ich also damit verbracht mir dieses kleine Städtchen anzuschauen. Björn und Aline, unsere französische Unibekanntschaft, haben mich dabei begleitet. Leider waren die Sehenwürdigkeiten schnell besichtigt, so dass wir uns einen Spaß daraus gemacht haben Hügel durch unwegsames Wald- und Felsengelände zu besteigen. Diese Abenteuer-Wege erboten uns dann oben angekommen zu einen beeindruckenden Ausblick auf die schwedische Hauptstadt.

An dieser Stelle muss ich kurz einschieben, dass das hiesige Busliniensystem unbeschreiblich aufreibend ist. Jüngst wurden nämlich alle Linien neu organiesiert und teilweise umbenannt. Kein Problem solange man auch die Pläne an allen Stationen austauscht. Das ist aber anscheinend nicht geschehen, so dass man überall hinkommt, nur nicht da wo man hin will.

Von den Busstrapazen konnte ich mich dann am Wochenende aber gut entspannen. Ich habe mit meinen Zimmernachbarn Kimmo und Henry zusammen den Film Das Boot (auf deutsch mit schw. Untertiteln) geguckt - und zwar in einer fünfstündigen Special Edition. Dabei haben wir Popkorn gegessen, welches in Schweden nur gesalzen verspeist wird. Eine ziemlich gewöhnungsbedürftige wenn auch charmante Sitte wie ich festgestellt habe. Mein Vorschlag auf Zucker als Alternative wurde mit einem Uuarg. Vad äkligt! abgetan.

Am Montag wollten wir alle zusammen essen gehen. Steffen hatte von einem feinen Restaurant gehört, in dem es günstig viel zu essen geben sollte. Da sich das für beinahe mittellose Studenten ganz gut anhört fanden sich schnell viele Symphatisanten. Die Gaststätte stellte sich als vegetarisches Restaurant Hermans heraus. Über den fleischlosen Abend tröstete aber die Tatsache hinweg, dass das Hermans uns Studenten ein All-you-can-eat Buffet für nur 80kr anbot. Und tatsächlich schmeckten die Gerichte, die von vielen Salaten über Aufläufe bis Pizza reichten, sagenhaft gut. Wer hätte das gedacht? Björn hat seinem gefüllten Bauch nachher noch einen Dinkelkaffee gegönnt. Der schmeckte allerdings genauso ökologisch und ungut wie man es sich vorstellt. Als wir das Hermans verließen, haben wir uns vor einer traumhaften nächtlichen Stockholmer Skyline dazu verabredet am nächsten Tag ins Eishockey Stadion zu gehen.

Zuvor jedoch bin ich mit Aline im Nobelmuseum gewesen, welches sich relativ langweilig herrausstellte. Schließlich kann man sich alle Informationen über die Nobelpreisträger auch im Internet holen. Allerdings weiß ich jetzt wie die Tische bei der Preisverleihung 1997 gedeckt waren und dass Hitler damals erlassen hatte, dass kein Deutscher jemals einen Friedenspreis annehmen dürfe, was aber nicht für den Friedensnobelpreis gelte. Dennoch war der Besuch ganz lustig weil es auch eine Kinderabteilung gab, in der wir kleine Bildkärtchen zu Comicähnlichen Geschichten zusammen gelegt haben und ich beim Jenga gewonnen habe.

Dann gings aber zum Eishockey und ich kann jetzt schon sagen, dass das das bisherige Highlight meines Aufenthalts hier war. Es spielte DIF gegen BIF. Das D in DIF steht für Djurgården. Es ist die Mannschaft die fast nur aus Stockholmern besteht und deshalb auch Stolz Stockholms genannt wird. Kurzfristig konnten wir Karten mitten im Fanblock der DIF-Fans ergattern und waren gespannt was uns erwartete. Und das hatte es in sich:
Mit einem Feuerwerk und unter dem tosendem Jubel der Fans kommen die Spieler aufs Eis gefahren und werden promt mit dem Vereinslied begrüßt. Im ersten Drittel des Spiels fielen allerdings bereits drei Gegentore, so dass die Stimmung zunehmend gereizter wurde. Als dann im zweiten Drittel ein DIF-Spieler vom Schiedsrichter über die zwei Minutenstrafe hinaus sogar den Platzweis bekam kochten die Emotionen auf der Tribüne über. "Skandal" wurde einstimmig und in enormer Lautstärke gegröhlt. Cola Becher (Bier war vermutlich zu teuer) flogen gegen die Plaxiglaswände. Auch die Tatsache, dass DIF bereits auf 2:3 verkürzt hatte beruhigte die Fans nicht. Erst als im letzten Drittel doch noch zwei Tore erzielt werden konnten und DIF mit 4:3 gewann wurde gefeiert. Das schnelle, actiongeladene Spiel mit vielen Bodychecks und Remplern hat uns wirklich königlich amüsiert. Demnächst wollen wir uns das Lokalderby zwischen DIF und HIF anschauen. Da heißt es dann wieder: Kämpa, Djurgården! Kämpa!

Wow, ich bin meinem Versprechen öfter und weniger zuschreiben wohl nicht nachgekommen. Mit der Gelobung auf Besserung und den üblichen Bildern entlasse ich euch in die Nacht.

Sov gott, allihopa!

Nacka 1: Der Yachthafen. Im Hintergrund der Gottvater auf dem Himmelsbogen.Nacka 2: Rechts eines der best erhaltenen Rokokogebäuden SchwedensNacka 3: Björn kennt sich aus im Wald!Nacka 4: AusblickNacka 5: Willi Wonkas Schokoladen Fabrik ... find ich jedenfalls ,)Dinkelkaffee. Lecker! - Nicht.Das Hermans von außen. Hoffentlich lässt dieses Bild die tolle Aussicht erahnen!Bildergeschichten. Der Nobelpreis winkt!Der Eishockey-Globe. Wir waren allerdings in der kleineren Halle HOVET nebenan ;)Steffen und der DIF ... eh ... Hase?!Fans auf der Tribüne!Eishockey Stadion und Christians Kopf.Spieler wird bestraft.

Der Herbst ist da ...

Donnerstag, 07.10.2010

Es wird kalt hier, liebe Freunde. Ein kräftiger Ostwind wirbelt mir hier die Blätter um die Ohren und verwandelt Schwedens Bäume in einen Springbrunnen bunter Farben. Polnische Meterologen haben bereits den kältesten Winter seit tausend Jahren angekündigt und mich daran erinnert, bevor ich erfriere, mal wieder auf diesem Wege von mir hören zu lassen.
Meine Abwesenheit hier ist wohl der Effekt ereignisreicher Tage und Wochen die hinter mir liegen. Höret:

Die letzte Septemberwoche habe ich entspannt dazu genutzt mir den westlichen Teil Stockholms anzugucken. Ich habe mich auch die Suche nach einschlägigen Plattenläden gemacht und bin dabei mehr als fündig geworden. Es ist nämlich tatsächlich möglich an einer Hauptstraße ca alle 200 Meter einen CD-Plattenladen zu eröffnen und zuhalten. Kaum einer davon größer als 20m². Wirklich ein Paradies für Liebhaber wie Björn und mich. Ich habe mir die vorletzte "Dungen" Scheibe gegönnt (wenn schon schwedisch, dann auch schwedische Musik).
Es ist wirklich immer wieder bemerkenswert wie die Schweden es schaffen die Natur in diese Großstadt einzubinden. Alle Nase lang findet sich ein grünes Fleckchen zum entspannen und das auch noch, verglichen mit anderen europäischen Hauptstädten, mit einem höchsten Grad an Sauberkeit.

Viel spannender war eigentlich aber mein Frisörbesuch. "Salong Hanna" wurde der Ort meines Vertrauens. Kaum hatte ich berichtet, dass ich übers Wochenende in Deutschland auf eine Hochzeit eingeladen bin, kamen die Haare ab: Ein bisschen kürzer als gedacht aber ich bin zufrieden. Preislich ist es hier schon etwas gediegener. 200 Kronen (gute 20€) sind hier noch ein guter Preis.

Am Wochenende drauf gings als zurück nach Deutschland um die Hochzeit von Julias Schwester zu feiern. Ein wirklich gelunges Fest. Ich war sehr dankbar mich mal wieder reichlich an unseren heimisch-kulinarischen Köstlichkeiten güttlich zu tun. Schade, dass die Zeit nicht reichte um alle wiederzusehen. Das wird dann in der Weihnachtszeit nachgeholt.

Am Montag bin ich wieder zurückgeflogen und musste mich sehr über die Schwedischen Straßenverhältnisse aufregen. Ich musste nämlich eine zwei stündige Busfahrt in Kauf nehmen um wieder in die Stadt zu kommen. Vermutlich lag das daran, dass an diesem Tag in Schweden Kanelbullar-Tag war. Kanelbullar: Jener zimtschnecken-ähnliche Stolz skandinavischer Kuisine, der den Schweden ihr fika versüßt, hat anscheinend auch Auswirkungen auf die Bleifüße der hiesigen Autofahrer.

Neben den üblichen universitären Verpflichtungen stand am Donnerstag Björns Geburtstag auf dem Wochenplan. Den haben wir dann auch direkt um 00 Uhr mit Vodka begossen: Deshalb musste ich an diesem Abend beim Björn nächtigen, was auch dank der improvisierten "Decke" (bestehend aus zwei Jacken) relativ gut geklappt hat. Wie mittlerweile üblich wurde sein Geburtstag dann am nächsten Tag auch mit einer Laundry-Room-Party begangen. Gleichzeitig haben wir dann auf das Verschwinden der "Zigeuner" und einen weiteren Geburtstag angestoßen. Wirklich nett!

Am Samstag konnte der Björn sich dann an meinem Geburtstag mit feiern revangieren. Ich hatte einige unserer Stockholmer Bekanntschaften eingeladen um bei mir vorzutrinken. Komisches Gefühl ohne die guten Freunde zu feiern die ich gern dabei gehabt hätte. Doch nach ein paar Bier und einem denglischen "Zum Geburtstag viel Glück" habe ich mich doch sehr gerührt und wohl gefühlt. Wir haben es uns auch nicht nehmen lassen, dass stockholmer Nachtleben unsicher zu machen. So sind wir in einen namenlosen aber teuren Club gelangt in welchem wir auf drei Ebenen tanzen (raven) konnten. Als ich mich auf einem Stuhl ausruhen wollte, muss ich wohl  kurzzeitig eingeschlafen sein. Jedenfalls bin ich von einem Sicherheitsbeauftragten freundlich gebeten worden doch lieber zuhause weiter zu schlafen. In Anbetracht der Tatsache, dass es schon 2.50 Uhr war (um 3 Uhr ist hier Sperrstunde), war ich einverstanden. Toller Abend.
Danke an dieser Stelle für alle Glückwünsche!

Ok, damit will ich es erstmal gut sein lassen. Nächstes Mal erzähle ich dann noch etwas von meinem Ausflug nach Nacka, unseren Abendteuern im Wald und Willi Wonkas Schokoladen Fabrik.

Jetzt noch ein paar Fotos.

Må väl!

Kanelbullardag ... Obey their call!Einer der vielen kleinen CD-Lädchen. Da fragt man sich echt warum sich Björn grade dieses Bier gekauft hat...Das Bierpire State Building. Nais!Christian und Pejman, unsere Gießener Freunde!Steffen und Willi. Unsere Münsteraner/Düsseldorfer FreundeIch bei meiner Geburstagsrede mit nem Megafon. Yeah!Steffen erklärt Sarah und mir die Statik eines BierdosenturmsLisa, Esther, Barbara und Aline aus Belgien, Österreich und Frankreich.Stockholm bei Nacht und einer schönen Mondsichel!Zwielichtige Gestalten der Stockholmer Nacht in schöner Umgebung

Valet

Dienstag, 21.09.2010

Am Sonntag haben sich die Schweden einen neuen Reichstag zusammen gewählt. Die fremdenfeindliche Partei der "Schweden Demokraten" ist dabei auf knappe 6% der Stimmen gekommen womit sie im Parlament sind.
Die Allians Koalition bildet jetzt mit nur 108 Stimmen zu wenig eine Minderheitsregierung. Läuft also alles drauf hinaus, dass die Rassisten jetzt das letzte Zünglein an der Waage im Reichstag sind. Grandios!

Jedenfalls war hier gestern in der Stadt richtig was los. Ungefähr 10000 Leute haben sich über Facebook zum demonstrieren verabredet und sind durch die Straßen gelaufen.

Soviel zur aktuellen politischen Lage ;)

Demo auf dem Sergels Torg

Tyskens Nyheter

Sonntag, 19.09.2010

So langsam habe ich den Eindruck, dass uns der Sommer hier verlässt. Es wird merklich windiger und kälter. Ich habe einen kleinen Schnupfen.

Der Dienstag stand ganz im Zeichen der Uni. Wir mussten unsere erste offizielle Leistung erbringen in dem wir einen Text über unser Heimatland schreiben sollten. Ich denke ich habe die Aufgabe ganz gut gelöst und natürlich die Gelegenheit nicht verstreichen lassen, mit allen Nazi-Vorurteilen ein bisschen aufzuräumen, die so im Ausland kursieren.

Nach den Strapazen des langen Uni-Tages haben Björn und ich uns mit einem leckeren und herzhaften Kartoffelauflauf belohnt.
Mein schwedischer Nachbar Henry hat uns auf die Idee gebracht: "Scheiße" und "Kartoffelauflauf" sind nämlich seine deutschen Lieblingswörter wie er mich immer wieder wissen lässt.
Der Auflauf ist jedenfalls ein Monster aus Protein und Kalorien geworden: 8 Eier, 2 Becher Creme Fraiche, 1 Becher Sahne: Lecker wars.
So langsam werde ich zum richtigen Koch hier. Dank google weiß ich jetzt schon wie man Kartoffeln kocht und das ganze zu nem Auflauf verarbeitet. Nächste Lektion: Spaghetti Bolognese.

Seit Mittwoch habe ich auch einen Sprachtandem-Partner: Einen ca 60 Jährigen schwedischen Rentner namens Hans-Eric, der eigentlich schon sehr gut deutsch spricht. Nach anfänglicher Enttäuschung darüber, dass es kein gleichaltriger ist, stellte sich aber doch im Laufe des Gesprächs heraus, dass er ein wirklich netter und interessanter Typ ist, der sogar schon mal in Westfalen war. Bin gespannt was er mir darüber nächste Woche erzählt. 

Freitag stand wieder ganz im Zeichen der Wäscheraumparty, die ja mittlerweile schon Freitagstradition erlangt hat. Doch diesmal war es schon was besonderes, denn die Polizei war da. "The Party  is over!" sagte der eine von den beiden. Alle waren geschockt, doch dann lachte er: "No it was just a joke!"
Der Grund für ihr kommen war nicht unsere Party, sondern ein spontan errichteter Campingplatz auf dem Parkplatz des Kista Alléväg (Björns Heimat). Einige "Zigeuner" sind mit ca 10 Wohnwagen dort auf den Parkplatz gekommen und dachten, dass es eine günstige Gelegenheit sei, direkt auch das ganze Wäschehaus und dessen Einrichtung in Beschlag zu nehmen und Randale zu machen. Da hört der Spaß irgendwann auf.

Bei der Gelegenheit kann ich noch anmerken, dass die schwedischen Polizisten ziemlich cool und respekteinflößend aussehen. Wie amerikanische Cops. Ich wollte mich jedenfalls nicht mit ihnen anlegen. Die Zigeuner übrigens auch nicht. Die sind nämlich aus dem Fenster geflüchtet.

Gestern sind wir dann tatsächlich auf dem Junip-Konzert gewesen. José Gonzales, der ja gebürtiger Göteborger ist, hat wirklich gute Arbeit abgeliefert. Sehrstimmungsvoll. Nicht zuletzt wegen der wirklich gemütlichen Örtlichkeit: Hornstull Strand, direkt am Ufer des Mälaren.
Es ist wirklich immer wieder ein Augenschmaus (tolles Wort) das Stockholmer Wasser zu betrachten. Grade bei untergehender Sonne wirkt es fast wie goldener glitzer Teppich.
Allein das sollte schon Anreiz sein, mich hier mal zu besuchen!

Ok, dass war der Lagebericht von dieser Woche. Gleich gehts zu Björn wegen Spaghettis und Fußball. Ich verabschiede mich an dieser Stelle und lasse schon mal ein optimistisches "Derbysieg" erschallen!

Grüße 

Tysken


Laundry-Room Party Impressions 1Laundry-Room Party Impressions 2Laundry-Room Party Impressions 3Brücke auf nach Skeppsholm. Hier sieht man auch ein bisschen das Wasser ...Lustiger Troll am Sovenirshop ,)Der gute Auflauf im Rohzustand. Jeil!Djipsy-Camp und links sieht man ein bisschen von der Laundry!

STHLM: Eindrücke. Erkenntnisse

Sonntag, 12.09.2010

Die dritte Woche ist fast rum. Diesmal gibts nicht so viel Aufregendes zu berichten. Neben der Uni habe ich die meiste Zeit hab ich damit zugebracht, mich in dieser schönen Stadt absichtlich zu verlaufen.

So bin ich irgendwann in Södermalm rausgekommen. Der südliche Stadtteil also, der zwar nicht so pittoresk  wirkt wie die Altstadt aber dennoch mit kleinen Cafes und Lädchen betört. Also eher ein Szeneviertel. Den Plakaten zur Folge finden hier auch viele Konzerte statt. Björn und ich werden nächste Woche eins besuchen (Junip, Bandprojekt von José Gonzales), so dass wir auch die Nacht- und Musikszene dieser Stadt noch etwas besser kennen lernen.
Ich hab mal versucht den Charme Södermalms fototechnisch einzufangen.
Geendet bin ich in Liljeholmen. Ich konnte der Versuchung nicht wiederstehen, bei strahlendem Sonnenschein meine Füße in den Trekanten-See zu halten. Trotz seiner Klarheit muss ich doch sagen: Das Wasser ist saukalt!
Hier kann ich noch anmerken, dass es erlaubt ist überall schwimmen zu gehen, wenn man mutig genug ist. Sogar im Hafenbereich und überall. Man sollte sich nur vorher überlegen wie man wieder aus dem Wasser heraus kommt nachher.

Mit Björn bin ich dann am Mittwoch noch auf Skeppsholm und Kastellholm gewesen. Die Museums- und Gefängnisinseln mitten in Stockholm, die ziemlich malerisch sind und immer wieder grandiose Ausblicke auf die Stadt gewähren. Ich muss mir bald neue Schuhe kaufen so viel wie ich bislang gelaufen bin!

Ich habe festgestellt, dass ich nicht der einzige Ausländer hier auf unserem Korridor bin. Jetzt muss ich kein schlechtes Gewissen haben, dass unsere Küchentreffen morgen extra auf englisch abgehalten wird. 

Viel mehr spannendes habe ich im Moment nicht mehr zu erzählen. Wie ein Abende mit Fußball, Bier und Chips aussieht könnt ihr euch ja vorstellen und auch wie die Laundry-Room-Parties ablaufen wisst ihr schon. Deswegen möchte ich hier noch einige Eindrücke und Erkenntnisse der ersten drei Wochen in Stichpunkten schildern.

  • Beim Burger-King gibt es keine Tabletts sondern Körbchen.
  • Die Finanzkrise in Griechenland hat es nie wirklich gegeben.
  • Französische Mädchen melden sich lustig am Telefon.
  • Die Durchschnittsschönheit schwedischer Menschen ist ganz schön hoch.
  • Die meisten Schweden sind wirklich blond. (Dank Björns und meiner investigativen Fähigkeiten wissen wir auch warum: siehe Fotos)
  • Franzosen und Deutsche können am längsten feiern.
  • Der Terror im Baskenland ist gar nicht so beängstigend.
  • Sierra Tequila kennt man in Mexiko überhaupt nicht.
  • In Schweden gibt es keine Buchpreisbindung und deswegen manchmal günstige Angebote!
  • Japaner können Chinesisch lesen aber nicht sprechen.
  • Die Französische Nationnalhymne hat Text.
  • In diesem Text kommt nicht "Freddy der Esel" vor.
  • Die Schweden essen "Fras" zum Frühstück.

Ihr seht: Man lernt nie aus! Heute steht noch mehr lernen auf dem Programm.

Ich habe übrigens die ersten Postkarten verschickt. Blick in den Briefkasten lohnt sich also in der nächsten Woche.

Jetzt noch die Fotos. 

Puss och kram!

 Treppe und Häuser und internationale Menschen.DHL-Bulli. Für Dennis!Alte Einkaufshalle am Östermalstorg. War ganz nett anzusehen.Södermalm Eindrücke 1Södermalm Eindrücke 2Södermalm Eindrücke 3Södermalm Eindrücke 5: MedborgarplatsenSödermalm Eindrücke 6: Verschmelzung von Natur und Technokratie hab ich gedacht. Tortzdem idyllisch.Södermalm Eindrücke 7: Meine Füße im Trekanten-SeeKonzerthalle am Hörtorget: Sehr monumental und beeindruckend wenn man direkt davor steht.Da reizt schon der Titel zum kaufen.Jetzt wissen wir warum alle Schweden blond sind!

 

Die zweite Woche

Sonntag, 05.09.2010

Ja, jetzt bin ich schon fast zwei Wochen hier und bislang hab ich noch keine Zeit gehabt Heimweh zu haben, denn langweilig kann man es hier nun wirklich nicht nennen.

Die erste Uniwoche habe ich hinter mich gebracht. Neben lauter pädagogisch wertvollen Kennenlernspielen, sind wir erstmal mit einem Haufen zu beweltigender Aufgaben nach Hause geschickt worden. Unter anderem soll ich eine Reportage schreiben und ungefähr 7 Bücher lesen. Dafür muss ich aber nur durchschnittlich an zwei Tagen in der Woche zur Uni. Der Stundenplan variiert nämlich von Woche zu Woche. Morgen muss ich deswegen zum Beispiel einfach mal von 9Uhr morgens bis 16Uhr nachmittags da sein.
Aber die Kursmitglieder sind alle ziemlich nett. Wieder ein buntes, internationales Völkchen in dem ich der einzige Deutsche bin. Ich war etwas irritiert, weil alle anderen schon mindestens ein halbes Jahr in Schweden sind und meines  Erachtens schon etwas sicherer in der Sprache sind. Aber das wird.

Donnerstag Nachmittag sind wir in die "Gula Villa" eingeladen worden. Ein gelbes Haus mitten auf dem Unigelände mit urigen kleinen Sofas und Sesseln sowie gratis Suppe und billigen Getränken. Ein bisschen denkt man hier schon an Pippi Langstrumpfs Villakunterbunt.
Ich habe den ganzen Tag schwedisch gesprochen. Wirklich eine positive Erfahrung, dass es so gut funktioniert hat.

Freitag bin ich mit Björn dann endlich auch ins Strindbergmuseum gegangen. August Strindberg, einer der berühmtesten Dichter, Dramatiker und Prosaisten Schwedens, dessen gesamt Werk ganze Billi-Regalwände ausfüllen könnte. Man konnte sich dort angucken, wie er vor 100 Jahren gelebt hat, denn die originale Einrichtung von damals ist noch erhalten.
Das Beethovenhaus in Bonn könnte sich da mal eine Scheibe von Abschneiden.

Abends haben wir in der Gelben Villa gefeiert. Neben schlechter Musik war es auch noch super voll. Da konnte auch der relativ günstige Bierpreis (25kr) nicht verhindern, dass es ein kurzer Abend war. Immerhin hat Deutschland gewonnen.

Den Rest des Wochenendes werde ich jetzt mit Lernen verbringen, obwohl ziemlich gutes Wetter hier ist. Vielleicht geh ich noch ein bisschen zum Hafen runter und lese dort.

Ich freu mich übrigens, dass so viele Leute mittlerweile diesen Blog verfolgen. An dieser Stelle mal die besten Grüße an alle. 

 Der gute Strindberg. Nettes Bild in der Ubahn.Drottningsgatan 85. Hier ist das Museum. Sieht cool aus von außen.Drinnen durften wir mit diesem alten Lift in den vierten Stock fahren. Sehr urig.Die >Gula Villa< mitten auf dem Uni-Campus.Björn und Steffen (aus Münster) in der >Gula Villa< mit günstigem Bier. Skål!Ich war auch da. Sichtlich zufrieden :)

Bo och början

Dienstag, 31.08.2010

Das Wochenende ist vorbei und der Uni-Alltag hat angefangen.

Heute hatten wir eine Informationsveranstaltung zum Studiensemester. Die äußerst lustigen und netten Dozenten haben keinen Zweifel daran gelassen, dass uns einiges an Arbeit erwartet in diesem Semester.  Alle Leute duzen sich hier übrigens. Also auch Professoren und Dozenten werden geduzt. Ziemlich ungewöhnlich und gewöhnungsbedürftig. Obwohl es andererseits auch keine andere Möglichkeit gibt in der schwedischen Sprache.

Sonst passiert im Moment nicht so viel. Gestern war ich im Lidl. Eine sehr positive Erfahrung denn da gibt es wirklich bezahlbare Lebensmittel.

Hier nochmal ein paar Fotos von meinem Zimmer und meiner Nachbarschaft bei strahlendem Sonnenschein. Und ein paar nachträgliche aus der Bar (The Temple Bar) und von den Ubahn Kunstwerken. Check it:

Internationalität von links: deutsch, deutsch, griechisch, spanisch (baskisch), französisch, peruanisch und ein belgischer KameramannMein tolles, karges Zimmer xD. Man achte auf die Äpfel: Wie ein StilllebenThe Hood 1The Hood 2 The Hood 3Station: UniversitetStation: ÖstermalmstorgBjörn und mein erster gemeinsamer >>fik<< (Ja! So heißt das hier)

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